100 Jahre

Musikverein Bernhausen

Juchee, wir kommen in der Stuttgarter Zeitung!

2024 ist Jubiläumsjahr:

Der Musikverein Bernhausen (MVB) blickt auf stolze 100 Jahre Vereinsgeschichte zurück – eine Geschichte, die von musikalischen Höhepunkten berichtet, die aber auch das Weltgeschehen mit allen Höhen und Tiefen widerspiegelt. Die vor allem aber zeigt, was die Liebe zur Musik gerade in herausfordernden Zeiten alles bewegen kann. Diesen herausragenden Meilenstein feiert der MVB zu vielen Anlässen dieses Jahr. Den Auftakt der Feierlichkeiten macht das Jubiläumskonzert am 16. März im FILUM in Filderstadt-Bernhausen.

1924 schlossen sich einige junge Männer zusammen für ein gewagtes Unternehmen – die Gründung eines Musikvereins. Hohe Arbeitslosigkeit und sehr niederer Lohn kennzeichneten die wirtschaftliche Lage. Doch was können alle ungünstigen Voraussetzungen, damals wie heute, gegen den Idealismus einiger Gleichgesinnter ausrichten?

Die Gründungsväter waren Karl Blank, Adolf Bopp, Jakob Hauser, Julius Hörmann, Albert Hörtig, Friedrich Lutz, Friedrich Müller, Karl Schlecht. Unterstützt wurden sie von den neuen Mitgliedern Karl Alber, Karl Manz, Friedrich Ötinger, Ludwig Raiser, Friedrich Reissing, Karl Steck, Karl Vöhringer und Friedrich Weinmann. Durch eine Haussammlung, Bankkredite, für die einzelne Mitglieder sogar bürgten, sowie durch die Ausgabe von Anteilscheinen kam so viel Geld zusammen, dass man es wagen konnte zwölf Musikinstrumente auf Raten zu bestellen. Schon zwei Jahre später fand das erste Musikfest in Bernhausen statt. Für den knapp zwei Jahre alten Verein ein voller Erfolg. Das in Bernhausen ausgerichtete Bezirksmusikfest im Juni 1929 sollte dann jedoch für lange Zeit der letzte Höhepunkt im Vereinsleben sein.

Die folgenden Jahre waren gekennzeichnet durch die allgemeinen ungünstigen Zeiterscheinungen: Arbeitslosigkeit, Geldknappheit und politische Auseinandersetzungen. Von 1929 bis 1934 kam das Musizieren beinahe zum Erliegen. Die meisten Mitglieder wurden zum Wehrdienst einberufen. Am 25. Februar 1940 spielte die Kapelle zum letzten Mal bei einem Dorfabend. Einige der bei den Wertungsspielen errungenen Pokale wurde eingezogen und eingeschmolzen, viele Vereins-Uniformen beim sogenannten „Volksopfer“ 1944/45 abgegeben. Zudem verschwanden die meisten Instrumente in den Kriegswirren spurlos. So stand der Verein am Ende des verheerenden Zweiten Weltkriegs vor dem Nichts.

Und wieder einmal bewies sich, was die Liebe zur Volksmusik fertigbringt. Am 20. Oktober 1948 trafen sich die vom Krieg zurückgekehrten Musikkameraden. Mit dem festen Willen, neu zu beginnen, begann man ab November 1948 wieder mit Musikstunden. Unter Aufbringung privater Gelder konnten die allernotwendigsten Instrumente angeschafft werden. Schnell brachte es der Verein wieder auf eine beachtliche musikalische Höhe.

Die folgenden Jahrzehnte stellten den Musikverein immer wieder vor neue Herausforderungen: Die steigende Arbeitsbelastung ließ vielen Musikern kaum noch Zeit für ihr Hobby. Und auch Dirigenten schieden immer wieder aus. Zuletzt stellte die Corona-Pandemie 2020 bis 2022 den Musikverein vor eine harte Probe: Denn das Proben war erstmal komplett verboten und später nur unter strengen Auflagen – mit Mindestabstand und Maskenpflicht – gestattet. Bis heute meistern Vorstand und Mitglieder die Herausforderungen mit hohem Engagement und einer hervorragenden Gemeinschaft.

Gleichzeitig blickt man beim MVB auf wunderbare Erlebnisse und Erfolge zurück: Bestplatzierungen bei Wertungsspielen in den 70er und 80er Jahren. Die sehr herzlich gelebte und gepflegte Gemeinschaft mit den Musikerfreunden des Orchesters Société Philharmonique aus unserer Partnerstadt La Souterraine. Im Mai 1972 fand der erste Besuch in Frankreich statt, seither treffen sich die Musiker in regelmäßigen Abständen abwechselnd in Frankreich und Deutschland und stellen stets ein gemeinsames Konzert zur Feier der Städtepartnerschaft auf die Beine. 1975 wurde die jährlich im Sommer in der Rosenstraße stattfindende MVB-Hocketse ins Leben gerufen. Und seit 1988 ist der MVB kultureller Bestandteil des vom Vereinsring organisierten Bärenfests, das am letzten Juniwochenende in der Fußgängerzone stattfindet.

Nach der langjährigen Dirigentschaft von Hans Köhl und anschließend von Paul Hermann wurde – nach einer Interimsphase von Patrick Siben – 1993 Manfred Wondra verpflichtet. Nach langer Schaffenszeit wurde er 2012 von Norbert Niederer abgelöst.

Die Jugendarbeit wurde ab Ende der 80er Jahre intensiver betrieben. Nachdem Peter Alber 1995 das Jugendorchester von Horst Albrich übernommen hatte, schlossen sich die beiden Jugendgruppen der Musikvereine Bernhausen und Sielmingen 1997 zum Jugendorchester MSB zusammen. Im September 2016 entstand durch Integration der Jugendorchester der Musikvereine Frei-weg Plattenhardt und Harmonie Bonlanden das Jugendblasorchester (JuBO) Filderstadt. Es wird heute von Thomi Winkler geleitet.

Den Auftakt der Feierlichkeiten zum 100jährigen Bestehen macht das Jubiläumskonzert am 16. März im Konzertsaal der Musikschule FILUM in Filderstadt-Bernhausen. Begleiten Sie den MVB unter der Leitung von Norbert Niederer auf einen besonders abwechslungsreichen Streifzug durch Musikepochen und Stilrichtungen! Vorab gibt es ab dem Einlass um 17:30 Uhr eine Fotoausstellung mit musikalischer Umrahmung durch das JuBO unter der Leitung von Thomi Winkler. Konzertbeginn ist um 19 Uhr.

Am Wochenende des 13. und 14. Juli 2024 lädt der MVB zur Jubiläums-Hocketse in die Rosenstraße in Bernhausen ein. Neben bester kulinarischer Versorgung wird wieder ein abwechslungsreiches Musikprogramm verschiedener Musikvereine und Bands geboten.

Ein weiteres Highlight im Jubiläumsjahr wird das vom MVB veranstaltete Weinfest mit Berthold Schick und seinen Allgäu 6 sein: Samstag, 26. Oktober 2024, ab 17:30 Uhr in der Rundsporthalle Filderstadt-Bernhausen.

Wer anlässlich der beeindruckenden Vereinschronik Lust bekommen hat mitzumachen, ist jederzeit herzlich willkommen! Das Stammorchester probt donnerstags von 20 bis 22 Uhr in der Musikschule FILUM in Filderstadt-Bernhausen. Kinder und Jugendliche können zunächst im Vororchester oder im Jugendblasorchester JuBO einsteigen. Die Proben finden mittwochs von 17.45-18.45 Uhr bzw. 18.45-19.45 Uhr ebenfalls im FILUM statt.

Gerade die heutige Zeit stellt die Gesellschaft vor eine Menge neuer Herausforderungen und Verunsicherungen. Sicher ist: Blasmusik im Verein – egal ob traditionell oder modern – ist ein sinnstiftendes Hobby, bietet eine verlässliche Gemeinschaft und sorgt für ein frohes Gemüt.

Bericht: Katja Kiessig

 

Das älteste vorhandene Foto vom MVB stammt aus dem Jahr 1928. Damals wurde noch in der „Restauration Karl Schmid“ (im heutigen Bahnhöfle) geprobt

 

Die aktuellen und ehemaligen Vorstände der „Neuzeit“ freuen sich auf die Jubiläumsfeierlichkeiten und koordinieren mit frischem Spirit und Elan die Vorbereitungen. Von links: Werner Meinelt (stv. Vorstand 1996 – 2013), Andreas Breisch (stv. Vorstand 2013 – 2023), Christian Stäbler (Vorstand 2013 – 2023), Judith Bühler (Vorstand seit 2023) und Martin Grüßer (stv. Vorstand seit 2023) und Jürgen Friedrich (Ehrenvorsitzender und Vorstand 1972 – 1991 und 1998 – 2013).

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